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Warum industrielle Unternehmen heute mehr brauchen als Digitalisierung.

Ein Insight von Andreas Hahn, Founder & CEO der formways GmbH

Seit vielen Jahren sprechen wir über Digitalisierung in der Industrie. Heute sprechen wir über künstliche Intelligenz, Datenplattformen, Automatisierung und Cloud-Technologien. Die technologischen Möglichkeiten entwickeln sich schneller denn je. Gleichzeitig wächst in vielen Unternehmen die Unsicherheit, welche Investitionen tatsächlich einen nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen schaffen.

Denn trotz moderner Software, neuer Anwendungen und wachsender Datenmengen stehen viele Industrieunternehmen vor denselben Herausforderungen: steigender Kostendruck, volatile Märkte, Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und immer kürzere Innovationszyklen.

Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, weitere Technologien einzuführen. Sie besteht darin, das Unternehmen so aufzustellen, dass Veränderungen möglich werden, ohne die Stabilität des Tagesgeschäfts zu gefährden.

Genau hier setzt Industrial Agility an.

Die Spielregeln verändern sich.

Der industrielle Mittelstand im deutschsprachigen Raum verfügt über außergewöhnliche Stärken. Qualitätsbewusstsein, technologische Kompetenz und langfristiges Denken haben Unternehmen hervorgebracht, die weltweit erfolgreich sind.

Globale Lieferketten sind weniger planbar geworden. Energie- und Rohstoffpreise schwanken stärker als noch vor wenigen Jahren. Nachhaltigkeit beeinflusst Investitionsentscheidungen und regulatorische Anforderungen nehmen kontinuierlich zu. Gleichzeitig entstehen neue Wettbewerber, die konsequent datenbasierte Geschäftsmodelle aufbauen und digitale Services zum festen Bestandteil ihres Angebots machen.

 

Diese Entwicklungen verändern nicht nur einzelne Märkte.

Sie verändern die Art, wie Wettbewerbsfähigkeit entsteht.

 

Technologische Exzellenz bleibt eine Grundvoraussetzung. Zunehmend entscheidet jedoch die Fähigkeit eines Unternehmens, Informationen schneller nutzbar zu machen, Entscheidungen fundierter zu treffen und Veränderungen kontrolliert umzusetzen.

Industrial Agility bedeutet nicht Geschwindigkeit.

 

Der Begriff Agilität wird häufig mit Schnelligkeit gleichgesetzt. Im industriellen Umfeld greift diese Sichtweise zu kurz.

 

Produktionsunternehmen benötigen vor allem Stabilität.

Anlagen müssen zuverlässig laufen, Qualität muss reproduzierbar sein und Liefertermine müssen eingehalten werden. Veränderung darf diese Stabilität nicht gefährden.

 

Industrial Agility beschreibt deshalb die Fähigkeit, Stabilität und Weiterentwicklung miteinander zu verbinden.

 

Es geht darum, wirtschaftlich sinnvolle Veränderungen umzusetzen, ohne funktionierende Strukturen unnötig zu destabilisieren. Unternehmen müssen gleichzeitig das bestehende Geschäft absichern, ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich verbessern und neue Chancen erschließen.

 

Diese Balance entscheidet zunehmend über den langfristigen Erfolg.

Die eigentliche Herausforderung heißt Komplexität.

 

In Gesprächen mit Industrieunternehmen zeigt sich immer wieder ein ähnliches Bild.

Die meisten Unternehmen verfügen bereits über leistungsfähige Systeme. ERP, PLM, CAD, CAM, MES, Shopfloor-Lösungen und zahlreiche Spezialanwendungen erfüllen ihre jeweilige Aufgabe zuverlässig.

 

Die Herausforderung entsteht nicht innerhalb dieser Systeme, sondern zwischen ihnen.

 

Daten werden mehrfach gepflegt, Informationen liegen in unterschiedlichen Formaten vor und wichtige Zusammenhänge sind oft nur einzelnen Mitarbeitenden bekannt. Neue Anforderungen werden häufig durch zusätzliche Anwendungen oder Schnittstellen gelöst. Jede einzelne Entscheidung erscheint sinnvoll. Über Jahre entsteht daraus jedoch eine immer komplexere Systemlandschaft.

 

Mit wachsender Komplexität steigen auch Aufwand und Risiken. Veränderungen dauern länger, Entscheidungen werden schwieriger und neue Technologien lassen sich nur mit erheblichem Integrationsaufwand nutzen.

 

Deshalb ist Komplexität heute häufig die größere Herausforderung als fehlende Technologie.

Daten werden zum strategischen Wettbewerbsfaktor.

 

Daten begleiten den gesamten industriellen Lebenszyklus. Sie entstehen bereits im Requirements Management, werden im Engineering weiterentwickelt und begleiten Konstruktion, Simulation, Fertigung, Qualitätssicherung, Produktion und Service bis in den laufenden Betrieb.

 

Viele Unternehmen verfügen bereits über enorme Mengen dieser Informationen. Ihr wirtschaftlicher Wert bleibt jedoch häufig ungenutzt, weil Daten in unterschiedlichen Systemen isoliert vorliegen und nicht gemeinsam genutzt werden können.

 

Industrial Data bedeutet deshalb weit mehr als Datensammlung.

Entscheidend ist die Fähigkeit, Informationen über den gesamten Produkt- und Produktionslebenszyklus hinweg verfügbar zu machen. Erst wenn Engineering-, Produktions- und Betriebsdaten miteinander verbunden werden, entsteht eine Grundlage für fundierte Entscheidungen und neue digitale Anwendungen.

Künstliche Intelligenz braucht belastbare Daten.

 

Kaum ein Technologiethema wird derzeit intensiver diskutiert als künstliche Intelligenz.

 

Das wirtschaftliche Potenzial ist unbestritten. AI kann Wartungsbedarfe früher erkennen, Qualitätsabweichungen analysieren, Produktionsabläufe unterstützen oder Engineering-Wissen schneller zugänglich machen.

 

Der eigentliche Erfolgsfaktor liegt jedoch nicht im AI-Modell selbst.

Entscheidend ist die Qualität der zugrunde liegenden Daten.

 

Wenn Informationen unvollständig, widersprüchlich oder nur innerhalb einzelner Systeme verfügbar sind, bleiben AI-Anwendungen isolierte Experimente. Erst eine integrierte Datenbasis ermöglicht es, künstliche Intelligenz dauerhaft in industrielle Prozesse einzubinden.

 

Deshalb beginnt Industrial AI nicht mit der Auswahl eines Sprachmodells oder einer Plattform.

Sie beginnt mit einer klaren Datenstrategie.

Architektur entscheidet über Zukunftsfähigkeit.

 

Viele Unternehmen stehen heute vor der Frage, ob bestehende Systeme ersetzt oder erweitert werden sollen. In den meisten Fällen lautet die Antwort weder “alles neu” noch “alles beim Alten”.

 

Bewährte Kernsysteme bilden das Rückgrat eines Unternehmens und sollten ihre Stabilität behalten. Gleichzeitig müssen neue Anforderungen wie AI, Nachhaltigkeitsreporting, digitale Services oder regulatorische Vorgaben integriert werden können.

 

Dafür braucht es keine Sammlung weiterer Einzellösungen, sondern eine Architektur, die Daten, Prozesse und Systeme gezielt miteinander verbindet.

 

Eine gute Architektur reduziert nicht jede Komplexität. Sie macht sie beherrschbar.

Drei Aufgaben, die gleichzeitig gelöst werden müssen.

 

Erfolgreiche Industrieunternehmen unterscheiden heute drei Ebenen ihrer Weiterentwicklung.

 

Die erste Aufgabe besteht darin, das bestehende Geschäft zuverlässig zu sichern. Produktion, Qualität und Lieferfähigkeit bilden die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens.

Parallel dazu müssen Prozesse kontinuierlich verbessert werden. Daten sollen besser genutzt, Durchlaufzeiten reduziert und bestehende Systeme sinnvoll erweitert werden.

Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten. Digitale Services, datenbasierte Geschäftsmodelle und künstliche Intelligenz eröffnen Chancen, die vor wenigen Jahren noch nicht existierten.

 

Diese drei Aufgaben konkurrieren nicht miteinander. Sie müssen gemeinsam gesteuert werden.

Industrial Agility beschreibt genau diese Fähigkeit.

Warum Orchestrierung wichtiger wird.

 

Die technologische Entwicklung schreitet schneller voran als je zuvor. Gleichzeitig wächst die Zahl spezialisierter Lösungen, Anbieter und Technologien.

Kaum ein mittelständisches Industrieunternehmen kann sämtliche Kompetenzen – von Datenarchitektur über AI bis hin zu OT-Integration, Cybersecurity oder regulatorischen Anforderungen – vollständig intern aufbauen. Gleichzeitig steigt das Risiko, sich zu stark an einzelne Hersteller oder isolierte Projektansätze zu binden.

 

Deshalb gewinnen Ecosysteme an Bedeutung.

Nicht als lose Partnernetzwerke, sondern als koordinierte Zusammenarbeit spezialisierter Kompetenzen mit einer gemeinsamen Zielsetzung: wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Industrieunternehmen zu entwickeln und umzusetzen.

 

Orchestrierung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, möglichst viele Technologien einzusetzen. Sie bedeutet, die richtigen Kompetenzen, Daten und Lösungen so zusammenzuführen, dass daraus ein belastbares Gesamtsystem entsteht.

Industrial Agility beginnt mit Klarheit.

 

Viele Transformationsprojekte beginnen mit einer Technologieentscheidung.

Die entscheidende Frage sollte jedoch eine andere sein:

Welche unternehmerische Wirkung soll erreicht werden?

Erst wenn wirtschaftliche Ziele, organisatorische Voraussetzungen, Daten, Prozesse und Technologien gemeinsam betrachtet werden, entstehen belastbare Entscheidungen.

 

Genau darin sehen wir bei formways unsere Aufgabe.

Gemeinsam mit unserem Industrial Business Ecosystem unterstützen wir Industrieunternehmen dabei, Industrial Data über Engineering, Produktion und Betrieb hinweg nutzbar zu machen und daraus konkrete wirtschaftliche Mehrwerte zu entwickeln.

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